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Horrorvision

Leserbrief zum Artikel: «Die Ärzteschaft ist oftmals zu wenig informiert», vom Fr. 15.11.2019, erschienen im Toggenburger Tagblatt vom 19.11.2019.

Die Präsidentin von Exit wünscht sich, dass bald Ärzte ebenso selbstverständlich Selbstmordhilfe leisten, wie Hebammen Kindern auf die Welt helfen. Dabei sollten Verwandte, Bekannte, Ärzte und Pflegefachpersonen immer bemüht sein, Leiden zu lindern, Menschen in ihren Nöten beizustehen, damit das Leben trotz allem als sinnvoll und manchmal sogar noch schön erlebt werden kann. Abhängigkeiten und Einschränkungen gehören zum Leben ebenso wie der Verlust von Fähigkeiten und Eigenständigkeit im Alter. Leider gehören manchmal schon in jüngeren Jahren auch grosse Schmerzen zu herausfordernden Lebenserfahrungen.

Sollte jedoch der Selbstmord mit «Hilfe» des Arztes zu einer Selbstverständlichkeit werden, wird sich der Umgang mit Leiden weiter verändern: Die Verzweiflungstat Selbstmord wird allgemein akzeptiert. Es wird irgendwann sogar erwartet, dass man sich in gewissen Situationen das Leben nimmt. Es braucht dann keinen Pflegeplatz mehr, der wäre zu teuer und würde das Erbe der Nachkommen unnötig verbrauchen. Wenn man Hilfe braucht und niemandem mehr nützlich sein kann, hat dann das Leben keinen Wert mehr? Verliert dann ein Mensch seine ihm von Gott gegebene Würde? Was für eine erbarmungslose kalte Gesellschaft werden wir doch, wenn wir einander zunehmend und womöglich voreilig aufgeben und im Stich lassen, dann, wenn wir gebraucht würden! Dazu wird es unweigerlich kommen, sollte die Suizid«hilfe» durch den Arzt zur Selbstverständlichkeit werden.

 

Lisa Leisi, Michelaustrasse 29, 9615 Dietfurt