EDU Schweiz

Newsdetail

Fremdsprachen lernen auf Kosten von anderen Fächern

Leserbrief zum Artikel vom 08.04.2017: "Frühfranzösisch bleibt umstritten", erschienen am 11.04.2017 im Toggenburger Tagblatt.

Gleich wie die vorberatende Kommission sah es bereits die Regierung mit ihrem entsprechend ausgerichteten Bericht: Englisch in der 3. Klasse und Französisch in der 5. Klasse sollen beibehalten werden. Deshalb wurde auch die Studie von Dr. Simone Pfenninger  nicht beigezogen und die ablehnende Haltung der Lehrer als DIE Fachpersonen in der Praxis nicht ernst genommen. Gewisse Fragen wurden ausgeklammert wie, ob die Schüler mit dem frühen Sprachenlernen auch wirklich, verglichen mit der aufgewendeten Zeit, in den Fremdsprachen entsprechend zusätzlich profitieren bis zum Ende der Schulzeit. Klar ist, dass zwei Fremdsprachen im Primarschulalter auf Kosten anderer grundlegender Fächer gehen.

Auch wurde in den KMU’s wohl noch nie nachgefragt, ob diese bei ihren Lehrlingen mehr mangelnde Fremdsprachenkenntnisse oder mehr mangelnde Deutsch- und Mathematikkenntnisse beklagen. Sehr zu denken geben müsste im Bericht zudem (Welche  Kommissionsmitglieder haben ihn wohl richtig studiert?), dass die Sprachanforderungen so sehr heruntergeschraubt wurden, dass kaum mehr ein Schüler überfordert sein kann. Damit scheint es bei diesem Politikum vor allem darum zu gehen, den Frühfremdsprachenunterricht vorweisen zu können. Was dabei herausschaut, ist sekundär. Wenn jedoch etwas absehbar kaum Sinn macht, ist umgehendes Handeln gefragt (der richtige Zeitpunkt!) und jede Verzögerung schadet zusätzlich. Wenn Sandro Hess, CVP-Kantonsrat und Schulleiter sieht, dass die deutsche Sprache wegen dem ständigen Ausbau des Fächerspektrums nicht mehr so vertieft behandelt werden kann, müsste er auch sehen, dass die Frühfremdsprachen ein massgeblicher Teil dieses Ausbaus und damit Teil des Problems sind.

Lisa Leisi, Michelaustrasse 29, 9615 Dietfurt